In den letzten Jahren sind zahlreiche Artikel und Berichte erschienen, die sich mit der Frage beschäftigen, wie KI und Automatisierung die Zukunft der Arbeit gestalten werden. Je nach Perspektive oder Absicht des Autors oder der Autorin weisen diese Beiträge in eine von zwei Richtungen: Entweder wird die neue Technologie Arbeitsplätze vernichten und verheerende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben, oder sie wird eine strahlende Zukunft für alle schaffen, indem sie nur die langweiligen Jobs vernichtet und bessere, interessantere hervorbringt.
Stefan Bürkle ist geschäftsführender Gesellschafter der Elektrotechnikfirma Bürkle + Schöck. Durch die Einführung von anonymen Bewerbungsverfahren in seiner Firma ist er zum Vorreiter in Deutschlands Personalmanagement geworden. Er sagt: «Wir profitieren insofern davon, dass wir mehr Bewerbungen bekommen. Es bewerben sich auch Personen, die ansonsten evtl. durch Ihre Noten abgeschreckt sind, sich zu bewerben. Wir profitieren auch davon, dass wir keine Person bewusst oder unbewusst diskriminieren.»
Lloyd Shapley und Alvin Roth haben für ihre «Theorie über stabile Allokationen und die Ausarbeitung von Markt-Institutionen in der Praxis» den Wirtschaftsnobelpreis 2012 erhalten, wie 20Minuten in ihrem Bericht schreibt. Der Ansatz der beiden Amerikaner dreht sich im Wesentlichen um das passende Zusammenbringen von Akteuren in Bereichen, bei denen traditionelle Marktmechanismen an ihre Grenzen stossen. Zum Beispiel wenn es darum geht, dass Studierende die für sie ideale Universität finden und umgekehrt, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet. Eine Kernaussage der mit dem Wirtschaftsnobelpreis nominierten Arbeit lautet: Das Matching, also die Übereinstimmung der Interessen und Bedürfnisse, muss immer möglichst gross sein. Wie relevant diese Erkenntnisse für den modernen Arbeitsmarkt sind, bestätigt ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB).
Es ist wahrscheinlich das HR-Buzzword der letzten Wochen und Monate: Candidate Experience. Doch handelt es sich dabei nicht einfach nur um einen kleinen Trend. Candidate Experience wird in Zukunft über den Erfolg des Recruiting entscheiden. Das zeigt auch eine Studie des U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS) eindrücklich auf. Diese berichtet, dass sich der Arbeitsmarkt längst zu Gunsten der Kandidat:innen transformiert hat. Die Knappheit an Fachkräften hat zu einem Anstieg an offenen Stellen und freiwilligen Kündigungen geführt. Der Markt wird somit nicht mehr nur von Unternehmen gesteuert, sondern zunehmend auch von den Kandidat:innen selbst beherrscht. In dem sich zuspitzenden «War for Talents» wird die Candidate Experience immer wichtiger, denn sie entscheidet im ersten Punkt über Erfolg oder Misserfolg bei der Akquirierung von passenden Arbeitskräften.
Wie die NZZ berichtet, kommt die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrer jüngsten Untersuchung zum Schluss, dass der Zustand des Arbeitsmarkts mitentscheidend für das Wohl der Euro-Zone sei. Derzeit seien in der Währungsunion rund 3 Millionen Personen weniger beschäftigt als vor Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008, heisst es in dem Bericht. Laut den Ökonomen der EZB stellt insbesondere der seit Jahren herrschende «Mismatch» zwischen geforderten und vorhandenen Qualifikationen eine der grössten Herausforderungen dar, für die eine Lösung gefunden werden muss, um die bestehende Arbeitslosigkeit zu verringern.
Wie Cash.ch berichtete, finden Unternehmen immer weniger geeignetes Personal. Dies soll laut der Umfrage von Manpower hauptsächlich auf den Mangel an Fachkompetenz oder «Hard Skills» bei den Kandidat:innen zurückzuführen sein. Obwohl sich die Situation verbessert habe, sorge dies in Zukunft vor allem aber dafür, dass bestehende Ressourcen falsch eingesetzt werden müssen. Laut der Umfrage erklärten 65 % der betroffenen Unternehmen in der Schweiz, dass Talentknappheit ihre Kapazitäten im Kundendienst beeinträchtige (international 54 %). 56 % gingen davon aus, dass sich Talentknappheit auf ihre Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität auswirke. Zudem gingen in diesem Jahr 48 % der betroffenen Arbeitgeber mit dadurch verbundenen negativen Auswirkungen auf Motivation und Engagement bei den Mitarbeitenden aus.
Die Arbeitsmigration ist trotz – oder gerade wegen – der Wirtschafts- und Finanzkrisen ungebremst. Laut NZZ wurde die Zahl der Migranten im Jahr 2010 von der UNO weltweit auf rund 214 Millionen geschätzt. William Lacy Swing, Generaldirektor der Internationalen Organisation für Migration (IOM), bezeichnet die Migration als «Megatrend für die Entwicklung der Welt im 21. Jahrhundert». Eine der massgeblichen Triebkräfte sei das demografische Gefälle zwischen Industriestaaten auf der einen und Entwicklungs- und Schwellenländern auf der anderen Seite. Gemäss Departement für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) erfolgt 90 Prozent der internationalen Migration zum Zweck der Arbeit.
Ein Artikel, der auf dem WorkBlog des «Guardian’s» im April 2013 erschien, berichtet, dass Grossbritannien und Finnland nun konkret Schritte unternehmen, um Diskriminierungspraktiken bei der Rekrutierung zu verringern oder sogar gänzlich zu eliminieren. So empfiehlt z. B. auch der Runnymede-Trust – als einer aus einer immer grösseren Anzahl an unterschiedlichen Organisationen und Firmen – den Wechsel zu anonymen Bewerbungsverfahren. Dass anonyme Verfahren die Chancen auf eine Anstellung für verschiedene Gruppen substanziell verbessert hat und die Qualität der Einstellungen nachweislich stark anstieg, zeigte im vergangenen Jahr auch ein weiterer breiter Versuch in Deutschland.
Wie der Onlinemediendienst www.kleinreport.ch übereinstimmend mit moneycab.com berichtet, setzt google.com mit dem «Google Knowledge Graph» auf die semantische Suche. Damit erweitert Google das herkömmliche Suchen nach Schlüsselwörtern mit dem Graph, um so nicht nur nach einzelnen Zeichenfolgen, Worten und Daten zu suchen, sondern Objekte und ihre Beziehungen aufzuzeigen. Dadurch werden gemäss Google die Suchergebnisse relevanter, zeigen weiterführende Verbindungen und Zusammenfassungen der Suchobjekte auf und erweitern die Tiefe und Breite der Suche.
Die grosse Bedeutung, welche die Jobsuche für die berufliche Karriere hat, ist offensichtlich. In der Tat ist sie wahrscheinlich genauso wichtig, wie die Suche nach der «einen wahren Liebe». Jenen, die auf der Suche nach dem/der passenden Lebenspartner/-in sind, steht heutzutage als Hilfe auch das Online-Dating zur Verfügung, ein immer stärker wachsendes Phänomen. Für diejenigen, die derzeit auf Jobsuche sind, ist es gleichzeitig überraschend schwierig auf Online-Jobplattformen und sozialen Netzwerken zufriedenstellende Ergebnisse, geschweige denn die perfekte Stelle zu finden. Die von Jobsuchmaschinen vorgeschlagenen Stellen sind immer irrelevanter, die Einhaltung des Datenschutzes zeigt sich als ein wachsendes Problem und der gesamte (Such-)Prozess ist fast durchgängig frustrierend und komplex.
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